Synopsis

Der vierteilige Dokumentarfilm vereint die Lebensentwürfe sehr un- terschiedlicher Frauen um die sechzig - porträtiert von ihren eigenen Töchtern.
Die Aufnahmen in vertrauter Situation und ohne weiteres Filmteam ermöglichen eine authentische und intime Atmosphäre, eine Filmarbeit unter jeweils vier Augen.
Der Film zeigt die verschiedene, mitunter auch verbindende Spurensuche von vier Töchtern, wiederum ähnliche Jahrgänge, die sich ein Bild zu machen versuchen über die eigene Mutter und die Beziehung zu ihr.
Die Verknüpfung der Episoden erweitert das Projekt zu einem Generationsporträt, in dem es um Lebensläufe und Lebenswelten von Frauen geht, deren Einfluss auf die Gesellschaft, nicht beruflich, sondern als Mütter über die Erziehung ihrer Töchter, ebenso fundamental ist, wie unsichtbar und lautlos. In diesem Filmprojekt geht es auch darum, diesen stillen Prozess durch die Kamera der Tochter sichtbar zu machen.

Der Film

„Mutterstücke“ ist ein Themenfilm, bestehend aus vier kurzen Filmen, in denen jeweils eine Tochter als Einpersonen-Filmteam ihre Mutter und das eigene Verhältnis zu ihr darstellt. Gezeigt werden unterschiedliche Einblicke in private Verhältnisse, in unterschiedlichen Blickweisen und damit verbundenen verschiedenen filmischen Umsetzungen.
Grundgedanke des Konzepts war von Anfang an, nicht das Material an eine übergeordnete Regie abzugeben und zu vermischen, sondern die Gestaltung des Porträts bis zum Schnitt komplett in der Hand der jeweiligen filmemachenden Tochter zu belassen, weil es die persönliche Machart ist, die, insbesondere im Kontrast zu anderen, Aufschlüsse über die Mutter, die Tochter und die Beziehung zwischen beiden zulässt.
Im Fokus steht demnach an Stelle einer formalen Episodenklammer das übergreifende Mutterthema. Die Form ist frei und wird Teil des inhaltlichen Ausdrucks, wodurch das Verhältnis und die Intimität zur Mutter durch die Tochter filmisch erfahrbar gemacht werden können.
Ein Film erzählt eine Mutter – und Muttersein an sich – über das Motiv der Hände, die nie zur Ruhe kommen. Der Blick einer Filmemacherin auf ihre Mutter im heimatlichen Dorf, das die Tochter vor über zehn Jahren verlassen hat, ist der einer Tochter und einer Ethnologin zugleich. Ein weiterer Film zeigt das Oszillieren zwischen Annäherung und Distanzierung in einem engen Mutter-Tochter-Verhältnis. Und ein Streit um eine bevorstehende Hausgeburt markiert den Moment der Ablösung und die Schwelle von Mutter zu Großmutter und die von Tochter zu Mutter.
Zusammen bilden die vier Episoden eine inhaltlich verbundene Kette, die zusätzlich zu den Blicken von vier Filmemacherinnen auf ihre Mütter einen zugleich liebevollen und kritischen, einen facettenreichen und bewegenden Beitrag zu dem Thema Mutter-Tochter liefert.

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Die Mütter

Die vier Mütter, das sind eine Sekretärin, eine Schriftstellerin, eine Unternehmerin, zwei Großmütter, ein Ex-Playboymodell, zwei Haus- besitzerinnen, zwei Alleinerziehende, ein Luxusweib, eine Frischverliebte, eine Ewigtreue, drei Witwen, eine Porschefahrerin, zwei Großstädterinnen und zwei Landeier.
Alle vier Mütter sind Kinder der Nachkriegszeit, großgeworden in Zeiten des Wirtschaftswunders, konfrontiert mit den zum Teil sehr gegenläufigen Vorstellungswelten ihrer Eltern und gesellschaftspolitischen Phänomenen wie denen der Emanzipation und der Studentenbewegung. Das jeweilige Mischungsverhältnis aus familiären und sozialen Einflüssen, eigenen Zielen und geplant-ungeplanten Lebenswegen kommt in ihren Biografien zum Ausdruck. Und spiegelt sich in den Beziehungen zu ihren Töchtern wieder.

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Die Töchter

Die eigene Mutter ins Bild zu nehmen, und damit für ihr Leben und die Beziehung zu ihr ein persönliches filmisches Format zu finden – dieser Herausforderung stellen sich vier Töchter als Filmemacherinnen. Sie sind Kulturwissenschaftlerinnen, Ethnologinnen, Cutterinnen und Schrift- stellerinnen – und sie sind so unterschiedlich wie ihre Mütter, wodurch sich ein breites Spektrum an Beziehungen und Schwerpunkten, an Fragen und Perspektiven ergibt. Jede Regisseurin hat dabei formale Gestal- tungsfreiheit, d.h. die Möglichkeit, durch eigene künstlerische Ansätze und Ausdrucksformen ihre Mutter zu porträtieren. Und jede der vier Frauen hat ihr eigenes Verhältnis zu ihrer Mutter, mit ähnlichen und ganz unterschiedlichen Themen und Reibungspunkten, Erinnerungen, Realitäten und Vorstellungen vom Leben – mitunter auch vom Muttersein.
Die Filme gehen von dem Spannungsverhältnis von natürlicher Nähe und gewordener Distanz aus, inszenieren das Tochter-Mutter Verhältnis mit selbst gewählten Akzenten und Hintergründen, und konfrontieren mit Fragen und Antworten – gemeinsamen, bekannten und sehr verschiedenen, ganz persönlichen.

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